nmz_online 30. 1. 2015 Intuitionen / Landnahme? – Müllers „land – eine annäherung“ im Schwere Reiter München

(...) Darum geht es aber der kreativen Riesengruppe um Cornelie Müller und Robert Spitz nicht. Die versuchen, eine intuitiv wahrnehmbare Situation zu inszenieren, die vom Alltäglichen weg ins übergeordnete Große und Ganze der Menschheitstragödien verweist, politisch, religiös, wirtschaftstechnisch. Das gelingt – wie so oft in diesen Zeiten – optisch, visuell höchst vorzüglich übers Auge. (...) Doch wenn kurz vor Schuss im sich verdunkelnden Raum jener harte Satz fällt,"der Vorrat an Urvertrauen ist aufgebraucht", dann steht dem intuitiven wie dem intellektuellen Verstehen alles offen, Auschwitz hin, Gaza-Streifen her. Wir sind wieder gepackt vom alltäglichen islamischen Staat, von der Ostukraine, von allem, wie es immer war. Lernt in diesem Jahrtausend noch irgendjemand etwas aus der Kunst? Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt… Wolf Löckle

 

www.theaterkritiken.com 30. 1. 2015 Schwere Reiter UA Land von Cornelie Müller

(...) Eine Performance von „Blut und Boden“ war es keinesfalls. Es war in der Tat „Eine Annäherung“, eine Sensibilisierung für die Welt, in der Mensch sich bewegt. Die Durchmischung von Schauspiel und Publikum, das dem Zuschauer sein eingebunden sein in Theater veranschaulicht, kann nachdenklich stimmen. Die Heranführung fand auf spielerische unaufdringliche Weise statt. Die Freiheit sich im Bühnenraum zu bewegen, durch die Kulissen zu schlendern oder auf einem kleinen beweglichen Hocker beobachtend am Rande des Geschehens zu sitzen, zeigte was der Mensch wirklich benötigt - Bewegungsraum, Rückzugszone, Interaktion und Beobachtungsphase. Dies gilt für alle, ob in Deutschland oder Israel, ob in der Ukraine oder auf Hawaii. Es scheint in der sogenannten Gesellschaft vergessen zu sein, verschüttet unter Lawinen von Gewalt oder marketinggemachten Scheinbedürfnissen, was das Leben eigentlich ausmacht. Wer Interesse hegt an dem „was die Welt im Innersten zusammenhält“, wird Bereicherung und Bestätigung erfahren in der künstlerisch erlebenswerten „Annäherung“.C.M.Meier

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